
Auf unseren zwei Flyern im Wintersemester 2025/26 haben wir Zitate von Hanns Eisler abgedruckt. Hier finden Sie eine Auswahl von Zitaten aus Eislers Schriften zu Musik und Politik, die Tobias Fasshauer dankenswerterweise für uns recherchiert hat und aus der wir die verwendeten Zitate genommen haben.
Hanns Eisler, Gesammelte Werke Serie III, Bd. 1: „Musik und Politik. Schriften. 1924–1948“, hg. von Günter Mayer, Leipzig 1973
Abbildung aus: Albrecht Betz: „Hanns Eisler – Musik einer Zeit, die sich eben bildet“, München, edition text + kritik, 1976, S. 168
Der Grundsatz des bürgerlichen Kunstidealismus, die Unabhängigkeit der Kunst von der politischen und ökonomischen Situation der Gesellschaft ist heute bereits ins Wanken geraten.
Vom bürgerlichen Konzertbetrieb, 1928
Die Technifizierung der Distribution von Musik hat aufs schärfste bewiesen die Fraglichkeit des ewigen Wertes von Musikstücken und aufs schärfste die Notwendigkeit und die Möglichkeiten eines neuen Musikstils einer neuen Musikkultur zur Aufgabe gestellt.
Die Aufgaben der Musikkonferenz des MRTO, 1932
Der Begriff der Schönheit von Musik, gleichmäßig anwendbar auf den Bankdirektor sowie auf seinen Chauffeur, ist heute eine rein willkürliche Voraussetzung. Der Vorstoß der Faschisten auf den kulturellen Gebieten aber beweist, daß auch Ästhetik eine Machtfrage ist.
Zur Krise der bürgerlichen Musik, 1932
Die Auspoverung breiter Schichten durch die Inflation, die Proletarisierung des Angestellten sind die eigentliche Ursache der Krise des Konzertes, die ja eigentlich eine Krise der sogenannten absoluten Musik, wie man ja Musik ohne Worte allgemein nennt, ist.
ebd.
Denn zwecklose Kunst ist in Wirklichkeit die Kunst für den Besitzenden, und diese Zwecklosigkeit hat den Zweck, durch unverbindliche Erholung Arbeitskraft im kapitalistischen Sinn zu reproduzieren.
ebd.
Man muss sich endlich dazu entschließen, Musik als eine von den Menschen für die Menschen in bestimmten konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse entstehende und vergehende Kunst anzusehen.
ebd.
Der moderne Komponist muß begreifen lernen, daß die Lösung der Krise der Musik nicht mehr von seinem Talent abhängig ist, sondern nur gelingen kann durch die Lösung der allgemeinen gesellschaftlichen Krise. Deswegen ist es notwendig, daß sich der Komponist einen bestimmten sozialen Raum sucht, in dem er produziert und experimentiert. Er muß sich also einen gesellschaftlichen Standort suchen.
Die Situation des modernen Komponisten und die I. internationale Arbeitmusikolympiade in Strasbourg, 1935
Unsere Gesellschaftsordnung produziert die Musik zweifellos als Luxus. Steigt das Elend in so riesigem Maße wie eben jetzt, so bekommt der Luxus geradezu den Charakter einer Provokation.
[Gesellschaftliche Umfunktionierung der Musik], 1936
Gegenüber den oft gehörten Behauptungen, die Musik sei ihrem Wesen nach nicht imstande, auf das gesellschaftliche Sein der Menschen verändernd einzuwirken, ist darauf zu verweisen, daß diese Behauptung erst aus einer eigentümlichen Praxis der letzten hundert Jahre entstanden ist und zuvor kaum je aufgestellt wurde.
ebd.
Wenn ein Komponist heute auf dem Standpunkt steht, seine Musik verfolge gesellschaftlich politisch keine Zwecke, so zeigt sich damit nur, daß er sich über diese Zwecke nicht im klaren ist.
ebd.
Für die Beurteilung eines Musikstückes muß zu den Kriterien „Erfindung, technisches Können, Empfindung“ als neues entscheidendes Kriterium die Frage nach gesellschaftlichem Zweck treten. Fortschritt ist nicht nur die Einführung neuer technischer Methoden, sondern die Einführung neuer technischer Methoden zu neuen gesellschaftlichen Zwecken.
ebd.
Quelle: Hanns Eisler, Gesammelte Werke Serie III, Bd. 1: „Musik und Politik. Schriften. 1924–1948“, hg. von Günter Mayer, Leipzig 1973.